Perfekt ist in der gesprochenen Sprache sehr häufig, Präteritum in schriftlichen Erzählungen und bei sein, haben und Modalverben. Die Wahl hängt von Register, Region und Textsorte ab.
Gestern habe ich einen Film gesehen.
Der Mann öffnete die Tür und trat ein.
Ich war müde und musste nach Hause.
Plusquamperfekt
Das Plusquamperfekt beschreibt eine Handlung, die vor einem anderen Zeitpunkt in der Vergangenheit passiert ist. Es wird mit hatte/war + Partizip II gebildet.
Als ich ankam, war der Zug schon abgefahren.
Sie hatte die E-Mail bereits geschrieben.
Wir waren noch nie dort gewesen.
Futur I und Futur II auf mittlerem Niveau
Futur I kann Zukunft oder Vermutung in der Gegenwart ausdrücken. Futur II beschreibt eine abgeschlossene Handlung in der Zukunft oder eine Vermutung über die Vergangenheit.
Er wird jetzt zu Hause sein.
Bis morgen werde ich den Text gelesen haben.
Sie wird den Termin vergessen haben.
Passiv mit werden im Präsens und Präteritum
Das Vorgangspassiv mit "werden" betont den Prozess oder die Handlung. Der Handelnde kann mit "von" oder "durch" genannt werden.
Das Haus wird gebaut.
Der Brief wurde gestern geschickt.
Die Tür wurde vom Hausmeister geöffnet.
Passiv im Perfekt und mit Modalverben
Im Perfekt lautet das Passiv "ist ... worden". Mit Modalverben steht "werden" im Infinitiv am Ende der Satzklammer.
Das Auto ist repariert worden.
Der Antrag muss geprüft werden.
Die Rechnung hat bezahlt werden müssen.
Zustandspassiv mit sein
Das Zustandspassiv beschreibt das Ergebnis einer abgeschlossenen Handlung, nicht den Vorgang. Es wird mit "sein" + Partizip II gebildet.
Die Tür ist geschlossen.
Das Fenster ist geöffnet.
Der Tisch ist gedeckt.
Konjunktiv II der Gegenwart
Der Konjunktiv II drückt Irrealität, Höflichkeit, Wünsche oder vorsichtige Aussagen aus. Häufig bildet man ihn mit "würde" + Infinitiv.
Ich würde gern mitkommen.
Wenn ich Zeit hätte, käme ich mit.
Das wäre schön.
Konjunktiv II der Vergangenheit
Der Konjunktiv II der Vergangenheit beschreibt irreale oder nicht eingetretene Situationen in der Vergangenheit. Er wird mit hätte/wäre + Partizip II gebildet.
Ich hätte dich angerufen.
Wenn wir früher losgefahren wären, hätten wir den Zug erreicht.
Sie wäre gern geblieben.
Höflichkeit mit Konjunktiv II
Der Konjunktiv II macht Bitten, Vorschläge und Wünsche höflicher. Besonders häufig sind könnte, würde, hätte und wäre.
Könnten Sie mir helfen?
Ich hätte gern einen Kaffee.
Würden Sie bitte das Fenster schließen?
Irreale Wünsche und Bedingungen
Mit "wenn", "wäre", "hätte" und "würde" formuliert man Situationen, die nicht real sind oder nicht realistisch erscheinen.
Wenn ich mehr Geld hätte, würde ich reisen.
Wäre ich doch zu Hause geblieben!
Ich wünschte, ich könnte fliegen.
Wenn-Sätze und Konditionalsätze
Konditionalsätze nennen eine Bedingung und eine Folge. Reale Bedingungen stehen oft im Indikativ, irreale im Konjunktiv II.
Wenn es regnet, bleiben wir zu Hause.
Wenn ich Zeit hätte, würde ich kommen.
Wir gehen spazieren, wenn das Wetter gut ist.
Falls, sofern, es sei denn
Diese Konnektoren drücken Bedingungen mit unterschiedlichen Nuancen aus. "Falls" ist neutral, "sofern" formeller, "es sei denn" bedeutet "außer wenn".
Falls du Fragen hast, ruf mich an.
Sofern alle zustimmen, beginnen wir morgen.
Ich komme, es sei denn, ich werde krank.
Relativsätze mit Relativpronomen im Nominativ, Akkusativ, Dativ und Genitiv
Relativpronomen richten sich nach dem Bezugswort in Genus und Numerus, aber der Fall kommt aus der Funktion im Relativsatz.
Der Mann, der dort steht, ist mein Lehrer.
Die Frau, die ich kenne, ist Ärztin.
Das Kind, dem ich helfe, lernt Deutsch.
Der Autor, dessen Buch ich lese, lebt in Wien.
Achtung: Der Fall des Relativpronomens kommt aus dem Relativsatz, nicht automatisch aus dem Hauptsatz.
Relativsätze mit Präpositionen
Wenn ein Verb oder Ausdruck eine Präposition verlangt, steht diese Präposition vor dem Relativpronomen. Der Kasus richtet sich nach der Präposition.
Das ist der Freund, mit dem ich reise.
Die Prüfung, auf die ich mich vorbereite, ist schwer.
Das Thema, über das wir sprechen, ist wichtig.
Partizip I und Partizip II als Adjektive
Partizip I beschreibt eine aktive oder gleichzeitige Handlung; Partizip II beschreibt oft ein Ergebnis oder eine passive Bedeutung. Beide können wie Adjektive dekliniert werden.
ein lachendes Kind
die geschlossene Tür
ein gut geschriebener Text
Erweiterte Partizipialattribute auf Grundniveau
Erweiterte Partizipialattribute verdichten Informationen vor einem Nomen. Sie sind typisch für formelle und schriftliche Sprache.
der gestern veröffentlichte Bericht
die von vielen erwartete Entscheidung
ein schnell wachsendes Unternehmen
Infinitivgruppen mit zu
Infinitivgruppen können Subjekt, Objekt oder Ergänzung eines Satzes sein. Sie werden oft durch Komma abgetrennt, besonders wenn sie erweitert sind.
Es ist wichtig, regelmäßig zu üben.
Ich habe vergessen, die Tür abzuschließen.
Sie freut sich darauf, dich zu sehen.
Infinitiv mit um…zu, ohne…zu, statt…zu
Diese Infinitivgruppen drücken Zweck, fehlende Begleithandlung oder Alternative aus. Sie haben dasselbe Subjekt wie der Hauptsatz.
Er lernt, um die Prüfung zu bestehen.
Sie ging, ohne sich zu verabschieden.
Statt zu schlafen, arbeitete er weiter.
Doppelinfinitiv mit Modalverben
Bei Modalverben im Perfekt erscheint oft der Ersatzinfinitiv: zwei Infinitive am Satzende statt Partizip II des Modalverbs.
Ich habe arbeiten müssen.
Sie hat nicht kommen können.
Wir hätten früher gehen sollen.
Achtung: Mit Modalverb heißt es im Perfekt meist "hat kommen können", nicht "hat kommen gekonnt".
Lassen + Infinitiv
"Lassen" + Infinitiv bedeutet erlauben, veranlassen oder etwas nicht selbst tun. Die genaue Bedeutung ergibt sich aus dem Kontext.
Ich lasse das Auto reparieren.
Lass mich schlafen!
Sie ließ die Kinder spielen.
Nominalisierung von Verben und Adjektiven
Nominalisierung macht aus Verben oder Adjektiven Nomen. Sie ist typisch für formelle, wissenschaftliche und behördliche Sprache.
lernen – das Lernen
prüfen – die Prüfung
wichtig – die Wichtigkeit
Die Anmeldung ist erforderlich.
N-Deklination schwacher maskuliner Nomen
Einige maskuline Nomen bekommen außer im Nominativ Singular die Endung -n oder -en. Sie bezeichnen oft Personen, Tiere oder Berufsrollen.
der Student – den Studenten – dem Studenten
der Junge – den Jungen
Ich helfe dem Kollegen.
Achtung: Bei schwachen Maskulina braucht man die Endung auch im Akkusativ und Dativ: "den Studenten", nicht "den Student".
Genitiv: Formen und Gebrauch
Der Genitiv zeigt Zugehörigkeit, Teil-Ganzes-Beziehungen und erscheint nach bestimmten Präpositionen und in formeller Sprache. Maskuline und neutrale Nomen bekommen oft -s oder -es.
das Ende des Tages
die Meinung der Expertin
wegen schlechten Wetters
Präpositionen mit Genitiv: wegen, während, trotz, statt
Diese Präpositionen verlangen in der Standardsprache den Genitiv. In der gesprochenen Sprache hört man bei manchen auch den Dativ, aber der Genitiv gilt als formeller und standardsprachlich.
wegen des Sturms
während der Pause
trotz des Regens
statt eines Briefes
Adjektivdeklination in allen Mustern
Die Adjektivdeklination folgt drei Hauptmustern: nach bestimmtem Artikel, nach unbestimmtem Artikel und ohne Artikel. Entscheidend ist, wo die grammatische Information sichtbar wird.
der gute Wein
ein guter Wein
guter Wein
mit dem guten Wein
Pronominaladverbien: dafür, damit, worauf, wofür
Pronominaladverbien ersetzen Präposition + Sache. Da-Formen verweisen auf Aussagen oder Dinge, wo-Formen fragen danach.
Ich interessiere mich dafür.
Worauf wartest du?
Damit habe ich nicht gerechnet.
Achtung: Für Personen benutzt man normalerweise Präposition + Pronomen: "mit ihm", nicht "damit".
Da- und wo-Komposita
Da- und wo-Komposita verbinden da/wo mit einer Präposition. Sie machen Texte flüssiger und vermeiden Wiederholungen.
Ich denke daran.
Woran denkst du?
Wir sprechen darüber.
Wortstellung im Mittelfeld
Das Mittelfeld liegt zwischen konjugiertem Verb und rechtem Verbteil. Dort ordnet man Pronomen, Dativ/Akkusativ, Zeit, Grund, Art und Ort nach Informationsstruktur und typischen Mustern.
Ich habe ihm gestern das Buch gegeben.
Sie fährt morgen wegen eines Termins mit dem Zug nach München.
Er hat es mir nicht gesagt.
Satzklammer mit Modalverben und Perfekt
Bei Modalverben und Perfekt öffnet das konjugierte Hilfs- oder Modalverb die Satzklammer, der Infinitiv oder das Partizip steht am Ende.
Ich muss heute arbeiten.
Sie hat den Brief geschrieben.
Wir haben früher gehen müssen.
Konnektoren der Ursache, Folge, des Gegensatzes und Zwecks
Konnektoren zeigen logische Beziehungen: Ursache, Folge, Gegensatz oder Zweck. Sie bestimmen oft auch die Wortstellung.
Da es regnet, bleiben wir zu Hause.
Es regnet, deshalb bleiben wir zu Hause.
Wir lernen, damit wir die Prüfung bestehen.
Obwohl, während, nachdem, bevor, seitdem, sobald
Diese Subjunktionen leiten Nebensätze ein und ordnen Aussagen nach Gegensatz, Gleichzeitigkeit, Vorzeitigkeit, Nachzeitigkeit oder Beginn eines Zeitraums.
Obwohl er müde war, arbeitete er weiter.
Nachdem sie gegessen hatte, ging sie spazieren.
Sobald ich fertig bin, rufe ich dich an.
Indirekte Rede auf Grundniveau
Indirekte Rede gibt Aussagen anderer Personen wieder. Auf Grundniveau nutzt man oft dass-Sätze oder den Konjunktiv I bei häufigen Formen.
Er sagt, dass er krank ist.
Sie sagt, sie sei krank.
Der Sprecher erklärte, die Lage sei schwierig.
Verben mit festen Präpositionen
Viele Verben verlangen eine feste Präposition und einen bestimmten Kasus. Diese Muster sind wichtig für korrekte Ergänzungen und Pronominaladverbien.
sich freuen auf + Akkusativ
teilnehmen an + Dativ
sich kümmern um + Akkusativ
bestehen aus + Dativ
Funktionsverbgefüge auf Grundniveau
Funktionsverbgefüge bestehen aus einem bedeutungsarmen Verb und einem Nomen. Sie sind typisch für formelle Sprache und ersetzen oft ein einfaches Verb.